Dienstag, 14. Februar 2012

American Psycho


 Inhaltszusammenfassung:

Patrick Bateman verkörpert den amerikanischen Traum der 80er Jahre. Gutaussehend, erfolgreich im Beruf und angesehen bei Freunden und Bekannten. Was allerdings niemand ahnt: hinter der Maske des jungen Mannes verbirgt sich ein psychopathischer Serienmörder, der seine Verbrechen aber so gut vorbereitet, dass die Polizei nicht einmal auf die Idee gekommen wäre, ihn damit in Verbindung zu bringen. Bis er aus Neid einen seiner schärfsten Konkurrenten ausschaltet.
Kritik:


American Psycho, einer der Filme, welcher die Zuschauer spaltet. Einigen ist er zu überzogen, zu provokant, andere sehen darin eine wunderbare Satire auf die mehr oder minder moderne Gesellschaft. Was verbirgt sich wohl hinter der Fassade des eigenen Bosses? Oder des Nachbarn?

Zunächst einmal muss man sagen, dass der Streifen fast schon zweigeteilt wirkt. Die erste Hälfte behandelt das Leben des Patrick Bateman, wie man es von außen wohl wahrnehmen dürfte. Ein erfolgreicher Geschäftsmann, der viel Wert auf sein Äußeres legt und in stetem Konkurrenzkampf mit den anderen Vizepräsidenten seines Unternehmens steht. Es geht hierbei wohlgemerkt nicht um berufliche Erfolge oder ähnlich wichtige Dinge, sondern vielmehr darum, wer in welchem Restaurant am schnellsten die besten Plätze bekommt oder wer die schönsten Visitenkarten hat. Zwar blitzt auch hier immer wieder das zweite Gesicht Batemans durch, aber der Charakter wird in erster Linie aufgebaut - wobei es teilweise leider zu Längen kommt, die allerdings gut zu verkraften sind. Immer wenn man denkt, dass es jetzt langweilig wird, zeigt sich wieder der Psychopath, der in Bateman steckt. Die zweite Filmhälfte hingegen ist sehr gut gelungen, ohne sich zu ziehen. Hier zeigt sich letztlich, wer Patrick wirklich ist. Und das auf eine mitunter äußerst zynische Art und Weise. Die Atmosphäre wird zunehmend bösartiger, bissiger. Der Spannungsbogen wird nun wirklich gespannt und man möchte unbedingt wissen, wie es mit dem vorgeblichen Yuppie weiter geht.


Der Film lebt zum Großteil von seinem Hauptdarsteller. Ich persönlich bin kein Fan von Christian Bale, aber man muss absolut anerkennen, dass er die Rolle des Psychopathen Bateman brilliant verkörpert. Man möchte fast sagen, dass Bale "American Psycho" im Alleingang stemmt, auch wenn die kurzen Auftritte von Willem Dafoe ebenfalls sehenswert sind. Die weiteren Nebendarsteller kann man im Grunde genommen vernachlässigen, da sie kaum wichtiges zur Handlung beitragen, abgesehen von 2, 3 Ausnahmen. Aber auch diese Darsteller machen ihre Sache gut, es scheint so, als ob jeder motiviert bei der Sache war, was zu einem runden Ergebnis in dieser Hinsicht führt.


Die Morde fallen nicht sonderlich brutal aus, zumindest nicht in visueller Hinsicht. Allerdings wird ihre Wirkung durch die zynische Betrachtungsweise ziemlich verstärkt. Besonders hervorzuheben wäre hier der Mord mit einer Axt an einem mißliebigen (und beneideten) Arbeitskollegen. Batemans Umgang damit ist... nun ja, ziemlich krank. American Psycho ist also mit Sicherheit kein Fest für Gorehounds, welche aber auch nicht die Zielgruppe darstellen. Freunde von gepflegten Thrillern ohne Blut-Overflow oder von bitterbösen Gesellschaftssatiren hingegen werden trotzdem (oder auch gerade deswegen) gut unterhalten werden.


Fazit:


American Psycho macht eigentlich alles richtig. Ein brillianter Hauptdarsteller, bitterböser Humor und abgesehen von wenigen Längen in der ersten Hälfte auch durchgehend spannend. Super!


Bewertung: 9/10 Punkten

Samstag, 11. Februar 2012

The Mad

Inhaltszusammenfassung:
Alles hätte so schön sein könne. Jason (Billy Zane) ist mit seiner Frau, seiner Tochter und ihrem Freund unterwegs in den Urlaub. Einen Zwischenstop wollen sie auf einem kleinen Hillbilly-Fest einlegen, komplett mit Riesenburgern und Fleisch von der kleinen Farm von nebenan. Leider ist die Menge aber nur begrenzt, so daß die vier von den leckeren Spezialburgern nichts mehr abkriegen. Ihr Glück, denn nur kurze Zeit später verwandelt sich jeder, der von dem Fleisch gegessen hat in einen menschenfressenden Freak...


Kritik:

Die Inhaltszusammenfassung lässt es schon erahnen: "The Mad" versucht, im Fahrwasser von "Black Sheep" mit ählichem Prinzip den Zuschauer zu bannen, was leider nur äußerst bedingt funktioniert.

"The Mad" teilt mit vielen seiner Artgenossen das Problem, daß es äußerst schwierig ist, in diesem Genre wirklich interessante Neuerungen zu bringen. Zwar ist die Idee, den Rinderwahnsinn im wahrsten des Sinne des Wortes auf den Menschen zu übertragen, nicht schlecht, jedoch kann man auch hier nicht von einer Neuerung sprechen, da der oben erwähnte Schafs-Zombie-Streifen das bereits in ähnlicher Form - und zudem noch weitaus abgedrehter und amüsanter - schon einmal vorgemacht hat. Spannung kommt von daher kaum auf, denn das was passiert ist einfach zu jeder Zeit vorhersehbar. Sogar die Reihenfolge der Todesopfer hat man nach der Einführung der Figuren bereits im Kopf. Der Film versucht allerdings auch nicht, ein knallharter und spannender Thriller zu sein, sondern setzt vielmehr auf den Humor. Leider ist aber auch auf dieser Seite kein sonderlich großes Haben zu vermerken. Viele der Witze, die eingebracht werden verlieren sich einfach in den teilweise ellenlangen und recht (leider eben nicht im positiven Sinn) sinnfreien Dialogen, wieder andere humoristische Einlagen sind vorhersehbar und dann gibt es da noch diesen gezwungenen Witz, der leider ebenfalls kaum zündet. Sicherlich, das eine oder andere Grinsen konnte ich mir nicht verkneifen, aber alles in allem ist das leider nicht genug, um dem Film zusprechen zu können, daß er eine gelungene Komödie wäre. Und spätestens ab dem Punkt, an dem ein lebender Klumpen Rindersteak durch die Küche krabbelt und einen der Überlebenden angreift, wird aus der Komödie dann ein Blödelstreifen, der nicht einmal mit ein paar Bier mehr lustiger gewesen wäre.

Die Darsteller sind zumeist routiniert, wobei Billy Zane fast schon ein Wenig zu langweilig wirkt. Auch er hat natürlich seine starken Momente, allerdings fallen mir spontan diverse Filme ein, in denen er mich als Schauspieler mehr beeindruckt hat. Hier und dar findet man natürlich auch eine gesunde Portion Overacting, was zu einem alles in allem recht skurilen Film jedoch auch ganz gut passt. In dieser Hinsicht hat man also wenig zu bemängeln. Die deutsche Synchro ist zudem auch angemessen, die Stimmen passen zu den Charakteren und kommen zudem auch motiviert rüber.
Für Gorehounds ist "The Mad" mit Sicherheit zu langweilig. Zwar lassen die "fleischhungrigen Zombies" vermuten, daß es die eine oder andere derbe Szene geben dürfte, doch dies ist nicht der Fall. Die Bisse werden hier und da zwar angedeutet, wirklich explizit sind die Darstellungen jedoch nicht. Viel passiert dazu auch im Off oder wird unter einem Haufen Hungriger, die sich über einer Leiche stapeln, verdeckt. Die Effekte, die man zu sehen bekommt sind zwar wenige, dafür aber recht ansprechend umgesetzt.

Fazit:

"The Mad" - ein Partyfilm, der keiner ist. Für eine gute Komödie nicht lustig genug, für einen Horrorstreifen nicht hart genug und für einen Thriller nicht spannend genug. Man könnte also sagen: Weder Fisch, noch Fleisch.


Bewertung: 3/10 Punkten

Dragon Age 2



Dragon Age: Origins war für mich das Rollenspiel des Jahres 2009, sozusagen Biowares Meisterstück. Dementsprechend groß war die Vorfreude auf den zweiten Teil, welche - so viel sei vorweg genommen - leider in vielerlei Hinsicht enttäuscht wurde.

Fangen wir mit dem offensichtlichsten Fauxpas an: Die Dungeons. Spätestens nach drei, vier Dungeon-Sessions fällt dem geneigten Spieler auf, dass sämtliche Keller offenbar auf drei bis vier Archetypen beruhen, in welchem je nach Quest lediglich andere Gänge geöffnet bzw. verschlossen sind. Ein äußerst trauriger Umstand, besonders wenn man sich eigentlich in den Bergen befindet, der Grundriss des Kellers aber haargenau der selbe ist, wie es zuvor in der Stadt der Fall war. Dazu kommt, dass sich das Spiel auf nur wenige Handlungsorte beschränkt, jeweils unterteilt in kleine Gebiete. Hier fehlt eindeutig die großartige Atmosphäre, die Teil 1 ausgezeichnet hat - und die für mich gerade bei einem RPG dieser Klasse auch zwingend vorhanden sein muss.

Die Story selber hingegen ist wie vom Hersteller gewohnt großartig geraten, die Zwischensequenzen brilliant - allerdings vermiest der oben genannte Kritikpunkt auch diese irgendwie, zu offensichtlich ist hier die eindeutig nicht hinein gesteckte Kreativität (oder vielleicht auch der Zeitdruck, das lasse ich mal dahin gestellt) Also kann DA2 auch an dieser Stelle nicht voll punkten.

Die Steuerung geht gut von der Hand, auch wenn man sich oftmals eher an ein Hack ´n slay-Spiel erinnert fühlt als an das Rollenspielepos, welches man nach Teil 1 erwartet hat. Zu actionorientiert, zu wenig Tiefgang. Auch hier wieder: Schade! Ich hatte mir mehr erhofft.

Grafisch wird, vor allem was die Gewaltdarstellung angeht, der erste Teil der Reihe in den Schatten gestellt. Opulent fällt das dargestellte dennoch nicht aus, man fühlt sich oftmals an einen simplen Splatter-Film erinnert.

Fazit: 


DA2 ist kein schlechtes Spiel - allerdings kann man es Fans des ersten Teils nur bedingt empfehlen. 

Bewertung: 7/10 Punkten

(Review wird bei Zeiten überarbeitet)

Batman - Arkham City



Der Nachfolger des Spiels mit der höchsten Durchschnittswertung aller Zeiten. kann Rocksteady die Erwartungen, die man nach dem großartigen Arkham Asylum an den neuen Teil der Batman-Reihe hat, auch erfüllen oder haben wir es mit einer herben Enttäuschung zu tun?

Fangen wir einmal von vorne an, mit der Atmosphäre. Die war schon im ersten Teil wirklich dicht, die Story hat einen mitgerissen. und genau dort, wo Arkham Asylum aufgehört hat, macht Arkham City weiter. Wieder fühlt man sich geradezu in die Geschichte hinein gezogen und fiebert mit Bruce Wayne alias Batman mit. Die Dramaturgie ist gut gehandelt, sodass ein konstanter Spannungsbogen gegeben ist.

Hier gibt es eindeutig nichts zu meckern. Schön sind die Nebenmissionen, die vom Riddler-Trophäen-sammeln des ersten Teils abweichen und somit eine gewisse Auflockerung der Story gewährleisten und das Spiel im ganzen etwas von seiner (eigentlich gegebenen) Linearität nehmen - und somit dem angedeuteten Open World-Prinzip des Games auch einen Sinn geben. Schick.

Die Steuerung ist ähnlich eingängig wie im ersten Teil, die Freeflow-Combos gehen locker von der Hand, man muss nicht lange das Handbuch wälzen, um damit klar zu kommen. Auch hier: nichts zu meckern. Schade ist jedoch, dass durch die vielen Gadgets das Digitalkreuz (Waffenauswahl) etwas überfrachtet ist. Hier wäre weniger vielleicht doch mehr gewesen.

Grafisch. nun ja, saubere Arbeit. Zwar gibt es keinen Quantensprung im Vergleich zum ersten Teil, aber die Animationen sind flüssig, vielseitig und schön anzusehen. Selbes gilt für den Gesamteindruck, auch wenn ein eventueller Nachfolger mit Sicherheit von einer neuen Engine profitieren würde. Bemängeln muss man jedoch, dass im Detektiv-Modus die Übersicht aufgrund der sehr dunklen Farbgebung teilweise flöten geht.

Fazit: 


Arkham City ist ein großartiges Action-Spiel, welches seinen Vorgänger auf Grund diverser neuer Spielelemente noch in den Schatten stellt. Eine Empfehlung für jeden Genre-Freund! 

Bewertung: 9/10 Punkten 

(Review wird bei Zeiten überarbeitet)

Mittwoch, 8. Februar 2012

President Evil

Inhaltszusammenfassung:
Eine Gruppe von modernen Hippies bricht gemeinsam zum "Free Love"-Festival auf, um dort Spaß zu haben. Unter ihnen ist auch Samantha, die nach einer schwierigen Trennung von ihrem Ex-Freund nun auf Abwechslung mit ihrem Neuen, Ivan, aus ist. Schon die Fahrt zum Konzert gestaltet sich allerdings schwierig, da die Kids noch vor dem Eintreffen mit ein paar Rednecks aneinander geraten.


Diese Probleme sind jedoch schnell vergessen, als die Leiche eines der Partygänger aufgefunden wird. Zwar werden umgehend Untersuchungen durch die lokale Polizei eingeleitet, die jedoch nicht schnell genug voran kommen. Der Versuch, die Party zu untersagen scheitert ebenso, denn die Hippies beschließen, inoffiziell im Wald weiter zu feiern. Ein Fehler, wie sich schnell erweist, denn: Here is Ronny!

Kritik:

Vorab sei angemerkt, daß ich das Review nach dem ansehen der US-Unrated geschrieben habe. Die Angaben zur deutschen SPIO-Fassung sind der OFDB entnommen. Leider scheint auch die vorgebliche "Lange Fassung" erheblich geschnitten zu sein, was die Freigabe zu einer Farce macht, da von den Gewaltszenen im Grunde kaum noch etwas vorhanden ist.

Nachdem er in Scream seine ersten Erfahrungen als Schauspieler im Slasher-Genre sammeln konnte, überrascht uns David Arquette nun also mit seinem Debut als Regisseur in eben diesem Bereich. Gleich vorab kann so viel gesagt werden: Die Klasse von Cravens Beitrag zum modernen Horrorfilm wird hier zu keiner Zeit erreicht. Zu ausgelutscht die Geschichte mit den Kids, die verzweifelt vor einem maskierten Killer (Jason Reagan? Ronald Vorhees?) durch den Wald stolpern und versuchen zu überleben. Sicherlich, speziell der Backwood-Slasher bietet wenig bis gar keinen Spielraum für Innovationen, aber hier wird im Grunde genommen 1:1 aus Genre-Größen kopiert. Alles kommt einem auf die eine oder andere Art schon bekannt vor. Das einzige, was neu ist, ist der unglaublich dämliche deutsche Titel und der Versuch, Horror mit Politsatire zu mischen.

Diese Tatsache führt leider auch dazu, daß im Grunde keine Spannung aufkommt. Das Auftauchen des Killers ist vorhersehbar, die Reaktionen der Opfer genau so. Auch das Handeln des Sheriffs ist bekannt und natürlich weiß man auch von vornherein, daß alles, was er unternimmt um den fröhlich durch die Gegend metzelnden Präsidenten aufzuhalten, die Situation nur noch verschlimmert. Die fehlende Spannung versucht Arquette allzu offensichtlich durch einen politsatirischen Einschlag zu kompensieren, der sich leider auch als Schuss in den Ofen entpuppt. Zu offensichtlich auch hier seine Abneigung gegen die Republikaner im allgemeinen und den zur Produktionszeit amtierenden Präsidenten Bush im speziellen. Über politische Ansichten mag man streiten können, auch darüber, wie sinnvoll es ist, diese Ansichten auf die Schippe zu nehmen, aber wenn man das schon tut, sollte die Umsetzung nicht einfach nur in platten Humor mit wenig zündenden Gags ausarten, sondern wirklich auch einen kritischen Einschlag mit sich bringen. Das ist hier leider nicht der Fall, so daß auch dieser Teil der Produktion nicht wirklich gut funktioniert. Bleibt noch der psychedelische Touch, den Arquette einzubringen versucht, wenn wieder eine der Hauptfiguren auf irgendeiner Droge ist -und das ist so ziemlich vom Anfang bis zu Ende irgendwer. Der nervt irgendwann einfach, bescheuerte Farbspielereien, die wohl dem Zuschauer das Gefühl vermitteln sollen, wie ein LSD / Extasy / Was auch immer-Trip aussehen könnte (schaut euch einen anderen  Backwood-Streifen durch ein Kaleidoskop an, dann habt ihr einen Vergleich) . Braucht im Endeffekt auch kein Mensch, wenn ich sowas sehen will, schaue ich mir Fear And Loathing In Las Vegas an.

Auch über die Darsteller kann sich der Film leider nicht tragen. Ich muss sagen, daß ich persönlich ohnehin nicht viel von diesem ganzen "Freie Liebe" und "Lasst uns Drogen nehmen bis zum umfallen"-Gedöns halte. Dies führt natürlich dazu, daß mir die Hauptcharaktere von Anfang an durch die Bank unsympathisch gewesen sind, was es natürlich unglaublich schwer macht, sich mit ihnen zu identifizieren. An dieser Abneigung kann leider auch die Tatsache, daß die Darsteller ihre Rollen nicht einmal schlecht verkörpert haben, nichts ändern. Ich muss ganz ehrlich zugeben, daß mir die eigentlich "bösen" Kleinstädtler noch mit die sympathischsten Figuren waren.

Es gibt eine Menge Leichen in "President Evil", allerdings werden nur die wenigsten Morde wirklich explizit dargestellt. Der Gorefaktor in der Unrated ist zwar auf einem erhöhten Niveau, speziell die beiden Szenen, in denen mit einer Kettensäge hantiert wird, fallen auch (überzogen) deftig  aus, aber hinsichtlich des Bodycounts wird es einem beinharten Guts ´n Gore-Fanatiker wohl zu wenig gesplatter sein. Hier und da wird zwar noch mit ein paar Innereien hantiert, aber auch hier stelle ich die SPIO-Freigabe in Frage, meines Erachtens nach hätte die KJ-Freigabe für die ungekürzte Fassung ausgereicht.

Fazit:

Zusammenfassend kann man sagen, daß "President Evil" der gescheiterte Versuch Arquettes ist, auch als Regisseur ins Genre einzusteigen. Das, was an seinem Film neuartig ist, ist leider nicht ausgereift oder treffend genug, um ihn interessant zu machen. Unterm Strich bleibt also nur ein weiterer, nicht einmal mittelmäßiger Backwoodstreifen.


Bewertung: 3/10 Punkten


My Name Is Bruce (Film-Rezension)

Inhalt:
Als ein paar Jugendliche auf einem Friedhof aus Versehen einen schlecht gelaunten China-Dämon zum Leben erwecken und dieser fortan die heimatverbundenen Bewohner des Kuhkaffs Gold Lick, Oregon, terrorisiert, hat Teenager Jeff, der wohl größte existierende Bruce Campbell-Fan, die krass gute Idee, seinen Superstar im Kampf gegen die Kreatur um Hilfe zu bitten. Das Problem: Bruce ist gerade im Dreh zu CAVE ALIEN 2, einem weiteren Meilenstein seiner Filmkarriere. Problem Nr. 2: Der hochbegehrte Schauspieler würde einen Teufel tun, bekloppten Fans unter die Arme zu greifen. Also kidnappen die Goldlicker kurzerhand den Hoffnungsträger und schaffen es tatsächlich, Bruce mit Freibier und den heißen Kurven von Jeffs Mama einigermaßen bei Laune zu halten. Bis der bärtige Untote erscheint und unser Held schleunigst die Flucht ergreift.

Kritik:
Wer den Namen Bruce Campbell kennt, wird schon eine dunkle Ahnung haben, was ihn erwartet, zumal sich der Herr neben der männlichen Hauptrolle auch gleich noch den Regiestuhl unter den Nagel gerissen hat: B-Movie-Zeit ist angesagt. Und das in absoluter Perfektion, die nur ein B-Movie-Gott so umsetzen kann.

Angefangen beim Plott, der so wenig originell ist wie eine Salami-Pizza. Ein paar Teenies erwecken also einen bösen chinesischen Geist. Guandi, seines Zeichens Beschützer der Toten und des Tofus lässt sich dann auch nicht lange bitten, sondern haut sich erstmal ein bisschen durch die Kids, die gerade seinen schönen und ruhigen Friedhof verwüstet haben - selbstverständlich müssen alle Blutsverwandten später auch noch mit dran glauben. Alles bekannt? Sicher. Aber im Laufe des Films tritt die Handlung ohnehin immer weiter in den Hintergrund und wird dann auch durchgängig mit einem Augenzwinkern abgearbeitet.

Die Darsteller machen ihre Sache gut - wenn man Overacting und Schauspieler, die drei Rollen besetzen als gut bezeichnen will. Auch hier merkt man an so ziemlich jeder Szene, daß "My Name Is Bruce" sich selber nicht ernst nimmt. Dazu kommt, daß ein paar alte Bekannte aus früheren Campbell-Filmen auftauchen (allen voran Ted Raimi) und man so manchen AHA-Effekt allein durch deren Auftauchen hat.

Die Gags sind wohl das, was den Film am meisten zu dem machen, was sie sind. Bruce selber haut einen Kalauer nach dem anderen raus und gibt sich dabei so herrlich selbstironisch, daß es nur so kracht. Der Mann weiß, wo er als Schauspieler steht, weiß wo seine Filme stehen und weiß offenbar auch, wie man das Beste daraus macht, niemals ein ganz großer Movie-Star zu sein. Der billig-lustige Dämon sorgt mit seinem handeln ebenfalls für einige Lacher und selbst die (sehr wenigen) blutigen Szenen sind gezielt -meistens aber nicht übertrieben- auf lustig getrimmt.
Wenn wir schon beim Stichwort Blut und Horror sind. "My Name Is Bruce" ist sicherlich alles - nur kein Horrorschocker oder Splatter-Flick. Es gibt zwar ein paar blutige Einstellung mit Enthauptungen oder einer abgehackten Hand (gleich zu Anfang ein sehr netter Gag übrigens!), allerdings kommt durch die Comedy-Atmosphäre kein Gruselfeeling auf und für Gorehounds wird es sicherlich auch nicht ausreichend sein.

Fazit:
Look at this, Scary Movie - SO macht man eine gelungene (Horror-)Komödie. "My Name Is Bruce" ist das B-Movie aller B-Movies und bietet Fans von Campbell, aber mit Sicherheit auch dem einen oder anderen nicht eingeweihten, etwa 80 Minuten Unterhaltung mit Grinse-Garantie. 

Hail To The King, Baby! 

Dienstag, 7. Februar 2012

Assassins Creed - Brotherhood (Spiel-Rezension)



So, hier ist er also, der Nachfolger (manche sagen auch "das AddOn") zu AC2. Die Erwartungen waren nach Ezios fulminantem Start hoch und konnten, so viel sei vorweg genommen, leider nicht ganz erfüllt werden.

Warum nun nicht? Im Grunde ist doch fast alles beim alten geblieben. Die Steuerung ist immer noch äußerst intuitiv, die Grafik und der Sound ansprechend, die Story setzt nahtlos an Assassins Creed 2 an. und kann leider nicht mit der Dichte dieses Titels mithalten. Wo man im zweiten Teil der Serie noch mitgefiebert hat und sich immer wieder zumindest stellenweise mit Ezio identifizieren konnte, fehlen hier die großen Aha-Momente. Sicherlich gibt es im Verlauf der Story die eine oder andere Überraschung, aber die hoch gesteckten Erwartungen werden hier leider nicht erfüllt.

Einige Neuerungen im Vergleich zum zweiten Teil gibt es dann auch. Als wichtigster Punkt ist hier wohl das aufgebohrte Wirtschaftssystem zu nennen. An und für sich eine gute Idee, allerdings wird es schnell langweilig, Rom zu restaurieren. Hier fehlt es eindeutig an Abwechslung, bei den Wahrzeichen sogar der praktische Nutzen. Sehr schade ist auch, dass viele Ausrüstungsgegenstände erst durch langweilige Sammelaufträge freigeschaltet werden - was erforderlich macht, dass man jede Schatzkiste und jeden Banditen ausfindig macht und plündert. Schade, man hat ein wenig den Eindruck, als ob die Spielzeit (die bei reiner Abarbeitung des Story-Modus recht kurz scheint) so gestreckt werden sollte.

Der Multiplayer-Modus ist allenfalls als Dreingabe zu sehen, hier fehlt es trotz Level-System auch an Dauermotivation.

Das alles macht AC: Brotherhood natürlich noch lange nicht zu einem schlechten Spiel. Der Aufbau der Gilde ist spaßig und vor allem nützlich, die alten Stärken in Sachen Gameplay weist der Titel nach wie vor auf. Wer AC2 mochte, wird wohl auch an Brotherhood Gefallen finden - sollte sich aber auch auf eine recht kurze Spielzeit einstellen. 


Assassins Creed - Brotherhood in der OGDB 

Assassins Creed II (Spiel-Rezension)



Tod dem Assassinen!

So oder so ähnlich heißt es im ersten Teil der Reihe, wenn unser Alter Ego Altair von den städtischen Wachen bei seinen Klettertouren über die Dächer entdeckt wurde. Aus Altair ist nun Ezio Auditore di Firenze geworden - Willkommen bei Assassins Creed 2.

Auf der Habenseite kann AC2 deutlich von den neuen Fähigkeiten des Assassinen profitieren, welche sich teilweise erst im Verlauf der (angenehm lang geratenen) Geschichte erlernen lassen. Viele Kritikpunkte des guten ersten Teils wurden ausgemerzt, wie zum Beispiel die Unfähigkeit zu schwimmen oder der (zumindest in meinem Freundeskreis oft geäußerte) Wunsch, auch Attentate von Vorsprüngen oder Dächern verüben zu können. Kenner von AC1 werden sich schnell in der "modernen" Welt zurecht finden, alle anderen werden dank des vorbildlich in die Handlung integrierten Tutorials auch schnell die wichtigsten Bewegungs- und Kampfgrundlagen erlernt haben. Alles in allem steuert sich Ezio äußerst intuitiv. Ärgerlich sind lediglich die an Tombraider angelehnten Jump and run-Sequenzen, die oft unter Zeitdruck stattfinden und öfters mal dazu angetan sind, das Pad gefrustet in die Ecke zu werfen. Gott Lob kommen sie aber nicht so oft vor.

Grafisch ist das Spiel natürlich nicht mehr ganz up to date, aber dennoch vermag das Geschehen auf dem Bildschirm zu gefallen. Natürlich gibt es hier und da kleine Kanten, die so heute nicht mehr zu finden sein sollten, für ein zwei Jahre altes Spiel kann man sich jedoch nicht beklagen.

Die Geschichte ist fesselnd! Wirklich fesselnd, auch wenn zu Beginn alles nach einem langweiligen Racheplot aussieht, ergeben sich im Lauf der Zeit immer wieder neue Wendungen, man trifft auf bekannte Namen und ist durch den (kleinen) Wirtschaftsteil auch bestrebt, die vielen Waffen und versteckten Gegenstände im Spiel zu suchen/ kaufen. Auch die Geschichte um Desmond nimmt nun endlich Fahrt auf, was die Vorfreude auf die folgenden Teile natürlich ungemein steigert.

Ein zeitloser Action-Klassiker!  


Assassins Creed 2 in der OGDB 

Assassins Creed (Spiel-Rezension)



Die AC-Reihe zählt wohl zum besten, was das Action-Genre derzeit zu bieten hat. Bereits der erste Teil aus dem Jahr 2007 bietet einen Großteil der Tugenden, die in den Nachfolgern so zu gefallen wissen. Leider aber auch einige Schwachpunkte, die aber auf Grund des Feedbacks später ausgemerzt wurden.

Fangen wir mit der Grafik an. Für ein vier Jahre altes Spiel macht es auch heute noch Spaß, Altair über die Dächer zu jagen. Natürlich ist die Darstellung nicht mehr up-to-date, aber wie gesagt: 4 Jahre. Eine Menge Zeit für Entwicklungen. Wenn man das nicht aus dem Auge verliert, kann sich AC1 auch heute noch sehen lassen.

Die Steuerung ist wunderbar eingängig und schnell zu erlernen. Nach spätestens einer halben Stunde geht sie so leicht von der Hand, dass man das Gefühl hat, nie anders gespielt zu haben. Lediglich der Kampf zu Pferde stellt sich als etwas problematisch dar, was jedoch kein großer Kritikpunkt ist, da man nicht zwangsläufig auf diese Art kämpfen muss. Das Kernelement, das akrobatische Klettern an Gebäuden sowie der Kampf in den Städten, ist jedoch super umgesetzt worden.

Atmosphärisch bin ich etwas zwiegespalten. Während man sich im Animus befindet und Altair darstellt, ist die Stimmung dicht und die Storyline fesselnd. Leider werden diese Passagen immer wieder von der Rahmenhandlung der kompletten Reihe unterbrochen, was etwas nervtötend ist - die Geschichte um Desmond ist im ersten Teil noch zu undurchsichtig, um tatsächlich interessant zu sein. Ebenso langweilig sind mit der Zeit leider auch die immer wiederkehrenden und gleichen Informaten-Missionen. Hier hätte man etwas mehr unterschiedliche Aufgaben einbringen können. Auch dass man nicht von Beginn an auf die Schnellreise-Option zugreifen kann, sondern immer manuell durch das heilige Land reiten muss, ist recht eintönig. Alles in allem mangelt es also etwas an Abwechslung, aber die Geschichte um Altair überdeckt das geschickt und fesselt dennoch bis zum Schluß an die Konsole. 

Mirrors (Film-Rezension)

Inhalt:
Das Leben war in letzter Zeit nicht gut zu Ben Carson (Kiefer Sutherland): als verdeckter Ermittler hat er einen Kollegen erschossen, Schuldgefühle in Alkohol ertränkt, die Achtung seiner Kollegen verloren, den Dienst quittiert und die Familie in Form von Frau und zwei Kindern hat ihn auch vor die Tür gesetzt, so daß er bei seiner Schwester nächtigen muß. 
Um wieder klar zu kommen, nimmt er einen vermeindlich ruhigen Job an: Nachwächter in einem vor 15 Jahren abgebrannten riesigen Kaufhaus, daß immer noch nicht wieder aufgebaut wird. Beeindruckend sind vor allem die Spiegel, die es in allen Ecken in dem monumentalen Gebäude zu sehen gibt und die in erstaunlich gutem Zustand sind. Doch genau deswegen stimmt etwas mit ihnen nicht, wie Ben bald feststellt, denn seine Spiegelbilder tun nicht immer das, was sie sollen und furchtbare Visionen schlagen auch in der Realität auf Ben zurück. Seine Umwelt hält das natürlich für eine Folge der Medikamente, doch während Carson verzweifelt versucht, dem Rätsel des Kaufhauses auf die Spur zu kommen, greifen die Wesen im Spiegel an


Kritik:

Eingangs sollte erwähnt werden, daß es sich bei Mirrors um ein Remake des koreanischen Horrorfilms "Into The Mirror" handelt (welchen ich zu meiner Schande allerdings nicht kenne aber so zumindest relativ unvorbelastet an Ajas aktuelles Werk heran gehen konnte). Eingeleitet wird der Streifen mit einer ziemlich blutigen Einstiegssequenz, die den geneigten Zuschauer auf die Spiegel-Spielchen, die nun folgen einstimmen soll - mich hat sie in erster Linie auf einen blutigen Film eingestimmt, der in dieser Form allerdings meinen Erwartungen nicht entsprechen konnte. Zwar folgt noch eine weitere relativ harte Gore-Szene, die im wahrsten Sinne des Wortes zeigt, daß eine große Klappe tötlich sein kann, aber das war es im Grunde dann auch an wirklich expliziten Darstellungen. Der doch recht deftige Anfang und die Kenntnis um Ajas ältere Filme haben da wirklich auf mehr hoffen lassen.

Die Handlung selber ist klischeehaft. Zwar bietet das abgebrannte Kaufhaus wirklich eine tolle Kulisse, auch die oben erwähnten Spiegel-Tricksereien wissen zu überzeugen, doch folgt der Plot großteils dem bekannten Schema F. Der Hauptcharakter - ein trockener Alkoholiker mit kaputter Ehe, der statt Suff jetzt lieber auf Pillen zurück greift - hat böse Visionen aus dem Spiegel und natürlich nimmt ihm das niemand ab, deshalb beginnt er auf eigene Faust zu ermitteln *gähn*. Nach dem furiosen Einstieg dümpelt Mirrors so dann auch zum Mittelteil hin ab und an ins langatmige ab, weiß aber zwischendurch immer wieder durch eingestreute Gruseleinlagen und vor allem Schrecksekunden ein endgültiges abgleiten in die Langeweile zu vermeiden. Ein richtiger Spannungsbogen wird aber zu keiner Zeit aufgebaut, Mirrors lebt in erster Linie wirklich von diesen Momenten. Überraschende Wendungen gibt es sehr, sehr wenige, lediglich ganz zum Schluß könnte man ein bisschen überrascht sein (wobei ich zugeben muss, daß ich fast mit dem, was passiert ist, gerechnet habe). Ohne zu spoilern kann man darauf aber nicht wirklich gut eingehen. Ergo: die Storyline mag zwar für einen Mystery-/ Horrorfilm angemessen sein, ist aber keinesfalls brilliant umgesetzt.

Die Darsteller sind, abgesehen von dem routinierten Sutherland, Mittelmaß. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Selbst Sutherland hebt sich nur deshalb von den anderen Schauspielern ab, weil viel von seinem handeln zumindest leicht an seinen Jack Bauer aus "24" erinnert.

Die Vertonung ist gut, die Synchronsprecher waren bei ihrer Arbeit wohl motiviert genug, um Mirrors nicht auch noch durch eine schlechte Synchro weiter zuzusetzen.

Fazit:
Mirrors ist keinesfalls der erhoffte Kracher, sondern kommt leider nicht ansatzweise an "The Hills Have Eyes" oder gar "High Tension" heran. Man kann sich den Streifen abends im Dunkeln und alleine sicherlich mal antun, aber viel mehr als Unterhaltung im unteren Mittelfeld sollte man nicht erwarten. Aja sollte sich statt auf weitere Remakes mal wieder auf einen eigenen Film konzentrieren, der einem Genre-Fan dann auch wirklich zu gefallen weiß und mal wieder eben nicht nur Durchschnitt ist.


Mirrors in der OFDB 

Insanitarium (Film-Rezension)

Inhalt:
Seit dem Tod ihrer Mutter leidet Jacks Schwester unter schweren psychischen Problemen, welche sich schließlich in einem Selbstmordversuch manifestieren. Das führt dazu, daß sie in eine psychiatrische Klinik eingewiesen wird. Jack jedoch ist der Meinung, daß seiner Schwester dort nicht geholfen werden soll, sondern daß dort alles nur noch schlimmer werden wird. Er beschließt, sich selber einweisen zu lassen, um sie dort heraus zu holen. Was er nicht wissen kann: der Klinikleiter experimentiert dort mit einem neuen Medikament, welches die "vorsinnflutlichen" Heilmethoden ablösen soll. Leider gibt es auch eine Nebenwirkung. Das Medikament macht aus den Versuchspersonen blutrünstige, unkontrollierbare Kannibalen...

Kritik:
Die Thematik an sich liest sich recht interessant, gab es bislang doch noch nicht so viele Filme dieser Art, die in einer psychiatrischen Anstalt gespielt haben. Na ja, einige schon... aber es ist trotzdem etwas anderes, als halbnackte Teenies im Wald / der Wüste / dem Landhaus der Eltern vor einem maskierten Wahnsinnigen mit einer mächtig großen Hieb- oder Stichwaffe weglaufen zu sehen. Aus diesem Grund habe ich mir den Film in der Videothek mitgenommen. Der Schauplatz an sich wird auch sehr effektiv eingesetzt, da zunächst wirklich alles auf den ganz normalen Wahnsinn, den man in einer solchen Institution erwartet, hinweist. Hier kamen fast schon ein bisschen die Erinnerungen an Kubricks "Einer flog über das Kuckucksnest" hoch. Bedrückend umgesetzt und die Charakterzeichnungen der Insassen passen auch sehr gut. An dieser Stelle muss man sagen, daß Buhler ein gutes Händchen für Kulisse und Komparsen hatte.

Der Einstieg in den Film ist zwar zunächst ein wenig langatmig, spätestens mit der Inhaftierung Jacks in den Hochsicherheitstrakt nimmt der Streifen jedoch Fahrt auf und beginnt auch, die Spannung und Athmosphäre, die sich aus dem Szenario heraus holen lässt, voll auszunutzen. Man beginnt mit der sympathischen Hauptfigur mitzufiebern und erwischt sich teilweise schon dabei, daß man ihr die Daumen drückt, wenn sie wieder einen Fluchtplan ausheckt und dabei die Unterstützung der Mitinsassen sucht. Später dann, wenn die "Helden" dann tatsächlich versuchen, aus der Klinik heraus zu kommen, kommt es immer wieder zu Angriffen der Kannibalen, zu verzweifeltem Widerstand gegen die in Scharen auftauchenden Gegner - auch hier also: Tempo pur. Langeweile ist bei mir zu keiner Zeit aufgekommen, da die Action den Film bestimmt und durchweg spannend hält. Allerdings sollte man nicht erwarten, daß der Film sich auch durch Humor trägt. Es gibt zwar den einen oder anderen trockenen, situationsbezogenen Witz, aber wir haben es hier eindeutig nicht mit einer Komödie zu tun. Unerwähnt bleiben sollte auch nicht, daß die unvermeidlichen Klischees ebenfalls bedient werden (Pillendealender Irrer, großer schwarzer Wachmann, nymphomane Irre etc.), jedoch nicht so ausgiebig, wie es in den meisten modernen Slashern der Fall ist.

Die Charaktere selber sind gut besetzt und die Schauspieler liefern eine durchweg passable Leistung ab. Man nimmt ihnen die Rollen, die sie spielen ab, genau so wie die zur Schau gestellten Emotionen. Der einzige, der hier etwas aus der Reihe fällt ist Peter Stormare, der den Klinkleiter mit etwas zu viel Enthusiasmus wahnsinnig erscheinen lassen will. Ich würde nicht sagen, daß das gezieltes Overacting ist, sondern wohl unbeabsichtigt herein gekommen ist - die anderen Charaktere sind dafür einfach zu glaubwürdig. Aber dieser kleine Faux Pas mindert den Gesamteindruck, den die Schauspielerriege bei mir hinterlassen hat nur ein Wenig, nichts also woraus ich dem Streifen jetzt einen Strick drehen würde.

Die Synchro ist gut gelungen und unterstreicht die Darsteller noch einmal. Die Sprecher sind genau so motiviert und glaubwürdig wie die Figuren und passen recht gut.

Die SPIO-Freigabe lässt schon vermuten, daß auch ein gewisser Gewaltfaktor mit im Spiel sein dürfte. Dieser kommt vorwiegend im letzten Drittel zum tragen, nachdem den Versuchspersonen die Flucht aus ihren Isolationszellen gelungen ist und sie frei durch die Klinik streifen können. Die Effekte sind hier handwerklich gut umgesetzt und bieten keinen Grund zu meckern. Was am Anfang an Blut gefehlt hat, wird jetzt ausgiebig nachgeholt. Diverse Fress-Szenen (die natürlich in ihrer Umsetzung nicht so hart sind, wie man sie aus alten Kannibalenschockern Marke Cannibal Ferox etc. kennt, aber immer noch recht deftig daher kommen), eine Lobotomie, diverse spritzende Stich- und Schnittverletzungen... es schmaddert also ordentlich, so daß Gorehounds zumindest zum Schluß hin auf ihre Kosten kommen werden. Erfreulicherweise wurde, obwohl sich das Szenario für so etwas geradezu anbieten würde, auf den Einsatz von Torture Porn-Elementen verzichtet.

Fazit:
"Insanitarium" bietet 85 Minuten Unterhaltung auf gutem Niveau. Actionreich und stimmig umgesetzt, sieht man gerne darüber hinweg, daß sich viel bei Klassikern verschiedener Genres bedient wurde. Dabei heraus gekommen ist ein Film, den man am passensten mit "Einer flog über das Kuckucksnest" meets "Re-Animator" meets "Dawn Of The Dead" beschreiben lässt. 

Gnaw (Film-Rezension)

Inhalt:
Der vermeindlich lustige Wochenendausflug der sieben Jugendlichen hätte so schön sein können, wenn nicht schon kurz nach ihrer Ankunft die ersten von ihnen verschwinden würden. Nach und nach wird die Anzahl der Kids durch einen Psychopathen mit einer Vorliebe für Menschenfleisch dezimiert.

Kritik:

That´s the story so far... austauschbar? Natürlich. Abgedroschen? Auch das. Zumindest stellenweise interessant? Man möge sich selber ein Urteil bilden. Zunächst einmal ist dem Film anzumerken, daß kein großes Studio und somit mit Sicherheit auch kein großes Budget dahinter steht. Die Atmosphäre des Landhauses, in dem der Films zu Beginn spielt, ist zunächst noch recht interessant, beginnt aber dann doch relativ schnell langweilig zu werden, da der Film sich auf die "Stärken" des Genres besinnt und die Protagonisten in erster Linie durch Wälder, leere Scheunen etc. rennen lässt. Hierfür gibt es natürlich keinen Originelitätspreis.

Spannung kommt im Grunde genommen ebenfalls nur selten aus. Der Killer ist bereits ziemlich am Anfang des Streifens gespoilert (und jeder, der mehr als einen, zwei Filme ähnlicher Machart gesehen hat, wird auf Anhieb sehen, worauf es hinaus laufen wird) und zudem der ganze Aufbau, vor allem aber die familiären Hintergründe unseres Metzgers fast schon 1:1 vom Texas Chainsaw Massacre abgekupfert wurden. Zwischendruch noch ein ordentlicher Gruß in die Torture Porn-Richtung (der allerdings auch wenig spektakulär ausfällt) und schon ist das Goremet-Menü nach Ansichtder Regisseurs offenbar fertig. Hätte er es lieber noch ein bisschen köcheln lassen.

Den Darstellern ist über große Teile des Streifens anzumerken, daß sie offenbar noch nicht sonderlich lange in ihrem Metier tätig sind, wirklich überzeugend agierte hier niemand, Emotionen gleich welcher Art werden leider nicht wirklich getragen. Selbst bei den Charakteren, die annäherend sympathisch wirken sollen (und das sind nicht viele) will der Funke nicht so recht über springen. Nicht einmal der (stumme) Killer war überzeugend.

Die deutsche Synchro geht in Ordnung - zumindest an den Stellen, an denen übersetzt wurde. Es gibt einige wenige Stellen, an denen die originalen Schauspieler deutlich zu hören sind. Warum auf eine Neuvertonung verzichtet wurde, kann ich leider nicht nachvollziehen, da es sich bei diesen Momenten eigentlich um Parts handelt, die von Anfang an nicht dazu verurteilt gewesen wären, der Schere in irgendeiner Form zum Opfer zu fallen. Meine Vermutung ist also schlicht und einfach, daß auch hier einfach schlampig gearbeitet wurde.

Es gibt einige recht blutige Einstellungen bei Gnaw zu sehen, die teilweise recht gut umgesetzt wurden, an anderen Stellen jedoch einfach nur billig und zum Teil auch lächerlich aussehen. Zudem ist der Gore-Gehalt insgesamt zu gering ausgefallen, als daß der Streifen hier ein paar Meter Boden hätte gut machen können. Das gezeigte hat man so oder in sehr ähnlicher Form schon diverse Male gesehen - und das zumeist besser.

Fazit:

Gnaw ist einer der Filme, auf die die Welt sicher nicht gewartet hatte. Es handelt sich hier eigentlich nur um eine weiter Interpretation des TCM, die zwar dicht an das Original angelehnt ist, aber es in keiner Form erreichen kann. Ein netter Appetizer, wenn man vorhat, sich Tobe Hoopers Meisterstück in nächster Zeit anzusehen vielleicht. Mehr aber nicht. Punkten kann er höchstens als einer der Filme mit den dämlichsten Covers aller Zeiten.

Die Horde (Film-Rezension)

Inhalt:
Für den Mord eines Polizisten schwören vier seiner Kollegen noch auf seiner Beerdigung Rache zu verüben. Mathias Rivoallan wurde von einer Immigranten-Gang gerade zu hingerichtet - ein Schicksal, welches sie mit dem toten Cop teilen sollen. Ohne einen großen Plan dafür mit umso mehr Wut im Bauch wird der leer stehende Betonblock gestürmt, welcher der Bande als Unterschlupf dient.

Die "Operation" mißlingt gründlich und die Polizisten geraten in die Hände der Gang. Die in der Ferne erklingenden Sirenen versprechen jedoch schnelle Rettung. Nach der ebenso überhasteten Flucht aus dem Zimmer, in dem die Cops gefangen gehalten wurden, eröffnet sich jedoch ein Blick der Verwüstung. Flammen und Rauchsäulen überziehen die nächtliche Stadt - und plötzlich sehen sich beide Parteien einem Gegner gegenüber, der eine gemeinsame Vorgehensweise erfordert.

Kritik:
Wie man nach lesen der Inhaltszusammenfassung unschwer feststellen kann, besticht „Die Horde“ sicherlich nicht durch eine sonderlich originelle Handlung, man fragt sich höchstens, was ein Rache-Actioner mit Horror zu tun haben soll. Ohne allzuviel vorweg nehmen zu wollen: wir haben es hier definitiv nicht reinem Actionkino zu tun, sondern bekommen aus Frankreich wieder gute und streckenweise auch blutige Horrorkost vorgesetzt – auch wenn man es nicht mit einem Extrem-Streifen wie Martyrs, Inside oder dem nach wie vor wegweisenden High Tension vergleichen kann.

Lobenswert hervorzuheben ist in jedem Fall, daß sich Die Horde nicht lange damit aufhält, dem Zuschauer die Vorgeschichte der Handlung bis ins kleinste Detail auseinander zu nehmen, vielmehr wird man gleich direkt in das Hier und Jetzt geschossen. Warum die 4 Polizisten auf Blutrache aus sind und in welchem Verhältnis sie zueinander stehen wird immer wieder zwischendurch in ruhigen und von Dialogen getragenen Szenen erzählt. Leider merkt man in diesen jedoch deutlich, daß der Fokus der Autoren und der Regisseure eindeutig mehr auf den lauten und knalligen Passagen liegt. Die Gespräche sind mitunter deutlich zu langatmig und reißen den ansonsten eigentlich konstant angenehmen Spannungsbogen daher leider oftmals nach unten. Bevor jedoch endgültig die gepflegte Langeweile ausbricht, besinnt man sich wieder auf das, was man wirklich gut kann und lässt die nächste Zombiewelle auf unsere Kampfgenossen wider Willen los. Man sieht also: es geht bei Die Horde weniger um eine düstere Atmosphäre, denn um ein hohes Erzähltempo mit entsprechend schnell geschnittenen Action-Sequenzen und einem hohen (Zombie-)Bodycount.
Die Charaktere selber kommen mit dem notwendigen Tiefgang einher, es ist also durchaus möglich, sich mit ihnen und ihren Handlungen zu identifizieren – oder auch eben nicht. Die „Guten“ sind hier ebenso wenig zwangsläufig die Cops wie die „Bösen“ nicht unbedingt nur innerhalb der Gang zu suchen sind. Ein wenig aus der Reihe fällt die Figur des alten Kriegsveteranen Réné, welcher im letzten Drittel des Streifens immer wieder alleine durch sein Auftreten für das eine oder andere Grinsen sorgt und das mit markigen One-Linern noch weiter untermauert. Auch die schauspielerische Leistung der Darsteller gibt keinen Anlass für Beschwerden, man geht professionell und routiniert ohne großartige Einbrüche ans Werk. Selbiges gilt auch für die deutschen Synchronstimmen.

Wie bereits erwähnt, setzt der Film durchgehend mehr auf schnelle und actionreiche Szenen als auf düstere Stimmung. Das schlägt sich zwangsläufig auch auf die Härte nieder. Es wird zwar viel geschossen und (in erster Linie) auch geprügelt was das Zeug hält, ohne dabei jedoch verstärkt auf explizite Szenen zu setzen. Was jedoch nicht heißen soll, daß Die Horde gänzlich darauf verzichtet, einige derbere und auch gut umgesetzte Splatterszenen sind schon enthalten. Einen Großteil der Gewalt nimmt man jedoch mehr oder minder im „Vorbeigehen“ auf. Trotzdem ist ein gesunder Härtegrad vorhanden, der auch dem geneigten Freund des roten Lebenssaftes sicherlich angenehm auffallen wird.

Fazit: 
Left 4 Dead auf Zelluloid.

Botched - Voll verkackt! (Film-Rezension)

Inhalt:
Ritchie (Stephen Dorff) ist ein professioneller Einbrecher, der die Schulden bei seinem Auftraggeber abzuarbeiten versucht. Sein letzter Coup sollte ihn entgültig aus dieser Zwickmühle hinaus und in ein neues Leben bringen. Zu dumm, daß wirklich alles schief gelaufen ist und er nun noch tiefer in der Jauche hockt als zuvor. Er bekommt jedoch eine zweite Chance. Zusammen mit zwei russischen Handlangern soll er ein wertvolles Artefakt aus einem Penthouse in Moskau stehlen. Zwar verläuft der Bruch wie geplant, doch einer der beiden Russen erschießt zum Schluß noch eine Frau. Als bei der anschließenden Flucht der Aufzug nun auch noch in der 13. Etage stecken bleibt, halten die drei das für einen Zugriff der Polizei und versuchen sich mit den restlichen Liftinsassen als Geiseln in der erschreckend unfertigen Etage zu verschanzen. Es stellt sich jedoch schnell heraus, daß nicht die Polizei den Lift angehalten hat, sondern jemand, der um einiges gefährlicher zu sein scheint...


Kritik:
Was sich zunächst wie der Anfang eines X-beliebigen Gangsterstreifen liest, entwickelt sich recht schnell zu einer Horrorkomödie der kranken Art. Man sieht dem Film an, daß er nicht mit einem großen Budget gedreht wurde, der Schauplatz und die ganze Atmosphäre sind hierfür eindeutig zu "billig", auch wenn das nicht unbedingt negativ ins Gewicht fällt, da das verlassene, baufällige Stockwerk eine Kulisse ist, die nicht unbedingt hochglanzpoliert sein muss, um ansprechend zu wirken. Zum Schluß, wenn unsere Hauptdarsteller dann doch ins Allerheiligste des Killers vordringen merkt man dann auch, daß sich zumindest hier wirklich Mühe mit dem Schauplatz gegeben wurde, weg von kargen Fluren hin zu fast schon überfrachteten Opferräumen und Repliken-Ausstellungen.

Auf den Aufbau eines Spannungsbogen verzichtet "Botched" zum großen Teil, gibt schon sehr früh preis, wer hinter dem angehaltenen Aufzug steckt und  konzentriert sich mehr auf die Gags (welche zu 90 % SEHR flach sind). Leider zünden hier nicht alle und wiederholen sich teilweise auch allzu offensichtlich. Das bringt zwar Abzüge in der B-Note, trübt den Gesamteindruck aber nicht so sehr, daß das Review an dieser Stelle zu einem richtigen Verriß aussarten würde. Man muss sich halt darauf einstellen, daß man sich hier nicht auf eine literarisch hochwertige Komödie einlässt, sondern vielmehr auf einen Bier- und Party-Streifen. Und unter diesem Aspekt funktioniert der Film auch ziemlich gut. Neben dummen / sarkastischen / zynischen Sprüchen der Protagonisten sorgt vor allem auch immer wieder das Auftreten des Killers, ein Verschnitt aus Ivan dem Schrecklichen und einem schwulen Aragorn, für Lacher, speziell in den Momenten in denen er sich fast schon tanzenderweise auf die Jagd nach den kleinen Opferlämmchen macht.
Die weibliche Hauptrolle und die Nebendarsteller machen ihre Sache gut. Ganz speziell wird mir hier wohl der Sicherheitsmann in Erinnerung bleiben, der dauerhaft damit prahlt, ein Spaznak-Mitglied gewesen zu sein, sich über die Nachteile des Lebens als Soldat (Vorwürfe hinsichtlich Mobbing, Alkoholexzessen und homosexuellen Beziehungen) auslässt, traurig über die Gründe seiner Entlassung (Mobbing, Alkoholexzesse und homosexuelle Beziehungen) ist und allzugerne eine "Alphamännchen" wäre - dabei aber jeden Plan, den er schmiedet, verpatzt. Stephen Dorff selber ist ein bisschen enttäuschend. Als einziger versucht er, einen durch und durch ernsten Charakter darzustellen, was ihm zwar auch gelingt, aber nicht in den Kontext des Films passt. Zwar mag von Zeit zu Zeit ein Gegenpol zum humoristischen Getue der anderen Charaktere nicht schlecht sein, Dorff übertreibt dies jedoch in seiner Darstellung. Der eine oder andere, von mir aus auch extrem trockene, Gag hätte ihm gut zu Gesicht gestanden.

Die deutsche Nachvertonung zu beurteilen ist schwierig. Mit Ausnahme von Ritchie haben alle Charaktere einen osteuropäischen Dialekt, was auf Dauer schon strapazierend sein kann (und nebenbei noch ein Wenig unlogisch ist - schließlich ist er ja der einzige, der eigentlich mit Dialekt sprechen müsste). Auf der anderen Seite gibt es aber gerade durch diese Tatsache noch den einen oder anderen Lacher. Und zur Ehrenrettung sollte auch nicht unerwähnt bleiben, daß auch die Originaltonspur lediglich Stephen Dorff ein normales Englisch zugestanden hat.

Der Blutgehalt ist für eine 16er Freigabe erstaunlich hoch. Enthauptungen, abgehackte Körperteile, ansatzweise sogar eine Ausweidung... alles dabei. Sicher, diese Einstellungen sind immer sehr übertrieben dargestellt (unsere Vermutung war, daß der menschliche Körper so um die 20 - 30 Liter Blut beinhalten würde, wenn es nach Regisseur Kit Ryan und den Blutspuren, die sich bereits nach dem ersten Mord durch das 13. Stockwerk ziehen, ginge) und passen in die lustige Machart des Films. Man sollte also in keinem Fall extrem harte SFX erwarten, sondern vielmehr eine solche Überspitzung der Gewalt, daß es schon lächerlich ist - wenn auch nicht unbedingt in einem negativen Sinn. Hierdurch verliert der Film auch die Härte, die ein realistischerer Umgang mit den Goreeffekten mit sich gebracht hätte. An sich sind die Effekte jedoch handwerklich angemessen umgesetzt und wirken dadurch auch nicht zu billig.

Fazit:
Eines ist klar: "Botched" kann nur mit Kumpels und ein paar Bier sein volles Unterhaltungspotential entfalten. Zudem sollte man auch nicht vergessen, das Hirn vor dem Ansehen des Films auf Standby zu schalten. Sind diese Voraussetzungen erfüllt, kann man mit dem Streifen gut Spaß haben.
  

All The Boys Love Mandy Lane (Film-Rezension)

Inhalt:
Der Titel ist Programm: die hübsche Mandy Lane (Amber Heard) ist das meist begehrte Mädel auf ihrer High School, doch auch das Unnahbarste - die spitzen Jungs immer schön auf Distanz haltend. Die allgemeine Besessenheit geht so weit, daß sich auf einer Party schließlich der Gastgeber sogar vom Dach in den Pool für sie wirft, nur leider verfehlt er den Rand um ein paar Zentimeter...

Neun Monate später ist der Schulabschluß nah und sechs Schüler inklusive Mandy machen einen Wochenendausflug auf einen etwas abgelegenen Landsitz in der sonnendurchglühten Weite Amerikas, nur ein Ex-Marine als hausmeisternder Aufpasser. Zwischen Drogen und Alkohol kocht der Sud bald hoch, doch niemand kann bei Mandy Lane landen, bis eine düstere Gestalt beginnt, die Anwesenden brutalst zu dezimieren...


Kritik:

Nach allem was man von diesem Streifen gehört hat, soll er wohl auf dem FFF ziemlich gut abgefeiert worden sein. Für mich ein Grund, die Meinungen hier im Forum gekonnt zu überlesen und einfach mal in der Videothek zuzugreifen. Nun ja, was soll ich sagen... die Leihgebühr hätte ich woanders sicherlich besser investieren können.Schade, ein Teenie-Slasher, der sich laut diversen Reviews und Klappentexten in Sachen Plot, Rollen und Klischeehaftigkeit wohltuend vom Gros des Genres abheben sollte, wäre irgendwie schonmal was wirklich nettes gewesen.

Angefangen mit der sehr übersichtlichen Handlung und den gewohnten Rollen (einfach alles dabei, von der dummen Schickse über den intellektuellen Nerd, den Proleten vor dem Herren bis hin zum "Quoten-Schwarzen", wie es in Hatchet mal so schön definiert wurde). Hier also schon mal das erste Klischee, welches komplett erfüllt wird. Die Schauspieler machen ihre Sache zwar nicht unbedingt schlecht, übermäßig motiviert schien mir aber dennoch niemand gewesen zu sein. Titelgeberin Mandy Lane selber ist natürlich auch Klischee pur, die unnahbare heiße Schnitte (die ich übrigens gar nicht mal soooo toll fand)... irgendwie auch schon bekannt und meilenweit von dem, was der Film darstellen möchte entfernt. Man merke: Im Westen... ähm, an der Charkterfront nichts neues.

Auch die Handlung kommt einem irgendwie erschreckend bekannt vor. Man nehme hier eine Prise Scream, vermische es mit ein bisschen Backwood-Athmosphäre, ergänze einen ach so undurchsichtigen - hoppla, ich meinte natürlich schon am recht zu Anfang geteaserten - Killer und verpasse dem Ganzen am Ende dann noch einen weiteren Scream-Einschlag. Fertig ist der Kessel Buntes mit Namen All The Boys Love Mandy Lane. Was hier geboten wird ist an keiner Stelle weltbewegend neu, alles kommt einem von hier oder da schon bekannt vor. Regisseur Levine versucht dem ganzen zwar noch einen leicht sozialkritischen Touch zu geben, schafft das aber auch nicht wirklich. Ein George A. Romero regt da schon mit Land Of The Dead weitaus mehr zum nachdenken an. Auch der Twist am Ende ist dank des schon früh zu erkennenden Killers schon überraschend, bringt aber nicht diesen "AHA!-Effekt", den sich Produzenten und Regisseur wohl erhofft hatten. Allenfalls schafft er es, den Zuschauer mit dem Gefühl, verarscht worden zu sein, vor der Mattscheibe zurück zu lassen. Eine Krankheit, unter der meiner Meinung nach viele aktuellere Filme zu leiden haben. Man merke hier: Auch an der Handlungsfront konnten keine nennenswerten Vorstöße entdeckt werden.

Bild und Ton gehen in Ordnung, aber auch hier erfindet Mandy Lane das Genre nicht neu. Hier mal ein Farbfilter drüber gelegt, da ein bisschen mit Wackelkamera gearbeitet... Hoppla, kommt einem das jetzt etwa auch bekannt vor? Seltsam, wieder nix neues. Langsam beginne ich mich echt zu fragen... lassen wir das lieber, das Fazit kommt noch früh genug.

Bislang also allerhöchstens Durchschnittskost, vielleicht schafft der Film es ja zumindest, Gorehounds zu erfreuen. Öhm Mist, schon wieder falsch gelegen. Die wenigen Kills in diesem Streifen sind weder kreativ noch visuell explizit umgesetzt. Sie finden meistens im dunkeln statt (und dunkel heißt bei Mandy Lane WIRKLICH dunkel) und sind nicht annährend brutal. Auf Blut und Geschmadder wird zum Großteil verzichtet, man mordet und stirbt lieber auf eine eher jungendfreiere Art und Weise. Die 18er-Freigabe des Streifens stelle ich einfach mal in Frage, obwohl ich eigentlich weiß, daß es recht sinnfrei ist, die Entscheidungen der FSK noch hinterfragen zu wollen. Also auch hier: nichts, was einen vom Hocker hauen könnte.

Fazit:

Das Brimborium, mit dem Mandy Lane beworben wurde steht im krassen Gegensatz zu dem, was der Streifen wirklich bietet. Freunde des Horror-Genres im Allgemeinen werden enttäuscht sein, da dieser Titel wirklich gar nichts neues bietet und selbst altbekanntes nur mangelhaft wiedergibt. Es gibt (auch bei den Teenie-Slashern im speziellen) jede Menge Filme, denen ich jederzeit den Vorzug vor All The Boys... geben würde. 


All The Boys Love Mandy Lane in der OFDB 

100 Tears (Film-Rezension)

Inhalt:
Seit über 20 Jahren treibt der brutale Serienkiller "Gurdy, der Clown" sein Unwesen in Florida. Dieser Mörder versteht es, eindrucksvoll seine Opfer mit einem gigantischen Fleischerbeil in Stücke zu hacken. Da die Polizei bezüglich seiner Identität grundsätzlich im Dunkeln tappt, entschließen sich die Provinzreporter Mark und Jennifer, den Serienkiller auf eigene Faust zu enttarnen. Am neuesten Tatort seiner Verbrechen nehmen sie die erste heiße Spur auf, nicht ahnend, daß sie sich dadurch selbst in tödliche Gefahr begeben...


Kritik:
Diesen Film zu reviewen ist offen gesagt nicht sonderlich einfach. Marcus Koch, seines Zeichens für die SFX unter anderem bei Nikos The Impaler oder Toxic Avenger IV verantwortlich, versucht sich hier zum ersten Mal als Regisseur eines Spielfilms, was man dem Streifen an allen Ecken und Enden anmerkt. Ähnlich verhält es sich auch mit dem geringen Budget, mit dem der Titel realisiert wurde.

Die Darsteller sind teilweise zwar routiniert, zum Großteil wirken sie aber eher bemüht als professionell. Vor allem die Tochter des Clown-Killers ist da so ein Beispiel, auch wenn ihre bekloppte Art und Weise schon ziemlich gut zu ihrer Rolle passt. Die beiden Hauptdarsteller, also die Reporter, schwanken. Manchmal nimmt man ihnen ihre Rollen einfach nicht ab, teilweise spielen sie aber wirklich gut. Der Einzige, der auf ganzer Linie zu überzeugen vermag ist Gurdy selber - was aber vermutlich daran liegt, daß er ähnlich wie seinerzeit Michael oder Jason nicht ein Wort von sich gibt.

Die Handlung... tja, Neuerungen sollte man nicht erwarten, dafür ist das Genre einfach zu ausgelutscht. Ein kleinerer Storytwist, der zugegebenermaßen recht überraschend kam, hilft aber nicht, die nicht vorhandene Spannung zu erzeugen. Die Atmosphäre wird durchgehend gewollt (?) skurril gehalten, was natürlich auch nicht dazu beiträgt, den Spannungsbogen zu fördern. Eine richtige Trash-Granate ist der Streifen dennoch nicht, dazu zünden zu viele der eingestreuten Gags (zumindest in nüchternem Zustand) einfach nicht. Auch die Dialoge tragen nicht dazu bei, dafür sind sie bei weitem noch nicht dämlich genug, sondern bewegen sich oft auf einem Fäkalniveau (Gott sei dank aber noch nicht so schlimm wie in neueren Remakes von bekannten und beliebten Eishockey-Masken-Killern). Zumindest der eine oder andere Schmunzler ließ sich aber nicht vermeiden.

Was den Film wirklich ausmacht, ist der Goregehalt. Der Bezug auf ein gigantisches Fleischerbeil auf dem Cover kommt nicht von ungefähr. SO ein großes Hackebeil habe ich bislang selten gesehen. Die Kills beschränken sich von daher in erster Linie auf Enthauptungen und die unerwünschte Amputation von Gliedmaßen, diese aber äußerst blutig umgesetzt und vor allem in Handarbeit und ohne billige CGI-Effekte entstanden. Abseits des Hackens gibt es noch den einen oder anderen lustigen Einfall, wie zum Beispiel das erwürgen eines vorher angeschlitzten mit seinen eigenen Innereien. Man sieht: Blut gibt´s ´ne Menge und somit ist wohl zumindest der Gorehound zufrieden mit 100 Tears. Zwischen den Schlachtereien zieht sich der Streifen aber, wie oben schon angedeutet, oftmals.

Fazit:
100 Tears hinterlässt gemischte Gefühle. Wäre die Handlung oder der Humor noch passend zu den derben Schlachteffekten etwas besser ausgearbeitet um umgesetzt worden, hätte Koch aus diesem Low-Budget-Film etwas machen können, was man nach dem Genuß gerne als einen guten Film bezeichnet hätte. Für die Abschlusswertung möchte ich noch sagen, daß ich mehr oder weniger Maßstäbe für eine Amateurproduktion angelegt habe, die Qualität ist natürlich zu keiner Zeit mit der einer richtig professionellen Produktion zu vergleichen.

100 Tears in der OFDB 

Alive Or Dead (Film-Rezension)


Inhaltszusammenfassung:
Während sie am während der Fahrt zu ihrem Freund Telefonsex mit eben jenem hat, kommt Maria (Ann Henson) an einem scheinbar verlassenen Bus auf der Landstraße vorbei, in dessen Fenstern scheinbar mit Blut "Help Me" geschrieben steht. Plötzlich platzen 2 Reifen ihres Wagens und das Handynetz fällt aus und die gute Frau beschließt, nun doch noch zu erkunden, was in diesem Bus vorgefallen ist. Als sie ihn betritt, entdeckt sie neben diversen Leichenteilen auch noch ein gefesseltes Mädchen. Gerade als sie sich Gedanken darum macht, wie sie die Gefangene befreien kann, betritt der vermeindliche Killer den Bus und schleift zudem noch ein weiteres Opfer hinein. Die Fahrt zum Refugium des Killers beginnt...


Kritik: 

Schon wer die Inhaltszusammenfassung liest, wird sich fragen, woher einem das alles so bekannt vorkommt. Wer sie liest, wird sich fragen, warum die Uschi auf die brilliante Idee kommt, ohne Handy, Waffen und vor allem Fluchtmöglichkeit den Bus zu betreten. Dinge, die man schon oft gesehen hat und die sich allem Anschein nach dauerhaft wiederholen, zumindest wenn im Buget des Films nicht die Kohle für ein ordentliches Drehbuch oder eine nachvollziehbare Story vorgesehen ist. Aber nicht nur hier musste offenbar gespart werden: Der Haupthandlungsort, eine Art Ritterburg (!) mitten in einer Wüste (!!), ist langweilig, klein und einfach billig.
Spannung kommt in diesem Film gar nicht auf. Zunächst einmal erkennt man den Killer dank des spoilernden Covers direkt, wenn er das erste Mal in Erscheinung tritt (und so viel sei gesagt, es ist nicht der "Busfahrer" - aber der Auftritt des eigentlichen Wahnsinnigen lässt auch nicht lange auf sich warten). Zudem ist die gesamte Handlung durch die Tatsache, daß man alles schon einmal gesehen hat, vieles sogar genau so, einfach nur öde und flach. Um auf die Laufzeit von 80 Minuten zu kommen, lässt Regisseur Goetsch seine beiden Hauptdarstellerinnen etwa eine viertel Stunde dumm palavernd durch die Burg latschen - ohne, daß sonst irgendetwas passiert, was Spannung oder Handlung zuträglich wäre.

Wo wir gerade bei den Darstellern sind. Auch hier ist Sparkurs angesagt, wenn ich richtig gezählt habe, kommt "Alive Or Dead" gerade auf 6 Beteiligte. Und wirklich keiner von ihnen ist überzeugend. Unser Psycho ist noch das sehenswerteste, was aber nicht bedeuten soll, daß es Spaß gemacht hat, ihm zuzusehen. Ein bisschen rumgrunzen, durch die Gegend wanken und versuchen, jemanden umzulegen ist ja auch nicht schwer zu spielen. Die beiden Mädels hingegen sind eine echte Zumutung gewesen. Man nimmt ihnen zu keiner Zeit ab,  daß sie sich in einer reellen Gefahr befinden würden, zu "happy" latschen sie durch die Gegend. Nicht mal an den Stellen, an denen sie direkt mit dem Killer konfrontiert werden, hat man den Eindruck, daß sie sonderlich beängstigt wären - na ja, sie kennen ja auch das Script, da fällt´s schon schwer, überzeugend zu sein.

Die Synchro des Streifens macht das auch nicht besser. Auch hier scheint man gespart zu haben und hat die Darsteller mit Stimmen versehen, die wunderbar mit dem unpassenden Acting einher gehen. In Situationen, in denen man Angst oder gar Panik erwartet viel zu gelassen (fast schon gelangweilt), an anderen Stellen dann zu übertrieben. Nee nee, das muss echt nicht sein. Zudem hatte ich den Eindruck, daß manche Passagen, insbesondere die (häufiger vorkommenden) Heulkrämpfe der Darstellerinnen nicht einmal nachvertont wurden.

Blut gibt´s auch an ein paar (wenigen) Stellen, und die sind -oh Wunder- auch nicht das Gelbe vom Ei. Mir ist immer noch unbegreiflich, wie eine Stahlstange so durch die Schulter eines Menschen geworfen werden kann, daß es nur eine Fleischwunde ergibt (ich möchte behaupten, bei einem normalen Körperbau müsste das Ding das Schlüsselbein zertrümmern...), aber was soll´s. Man hätte ja nach dem Rest des Reviews schon damit rechnen können, daß auch hier keine Lobhudelei aufkommen wird. Fast traurig, daß  die oben beschriebene Szene noch die interessanteste des Streifens ist. Die anderen Kills (und wenn man sich an die Anzahl der Darsteller erinnert, wird einem schnell klar, daß das nur außerst wenige sein dürften) sind langweiliger und schlechter umgesetzt als dieser.

Fazit:
Hier wurde gespart ohne Ende - und zwar an allem. Meine Vermutung ist, daß das Team sich vor Drehbeginn einmal durch alle örtlichen Kneipen gesoffen hat und dabei 80 % des Bugets drauf gegangen ist. Das, was noch übrig war, wurde für einen Film verballert, der durch einen talentierten Amateurfilmer besser umgesetzt worden wäre. Und der hätte am Ende wahrscheinlich sogar noch ein paar Dollar über gehabt... Alive Or Dead kann so wirklich niemandem ans Herz gelegt werden, nicht mal die 1,20 für die Videothek ist er wert. 

Mittwoch, 1. Februar 2012

Jay Dobyns - Falscher Engel. Mein Höllentrip als Undercover-Agent bei den Hells Angels (Buch-Rezension)

Gut, hiermit ist mein eigentlicher Plan, zunächst einmal meine alten Reviews hier rein zu kopieren gestorben. Ich habe gestern das oben genannte Buch fertig gelesen und solange die Erinnerung noch frisch ist (ja, ich bin ein Kerl, mit dem Gedächtnis ist es also nicht so weit her) fange ich auch gleich damit an.

Inhaltsbeschreibung:

"Sie fahren Harleys, tragen Lederjacken, Bärte und Tattoos. Sie schrecken vor Gewaltverbrechen nicht zurück und führen blutige Bandenkriege − die Hells Angels, der legendäre Bikerclub. Der amerikanische Undercover-Agent Jay Dobyns gewinnt ihr Vertrauen. Am Ende funktioniert die Tarnung so gut, dass Dobyns in den Inner Circle der Hells Angels aufgenommen werden soll. Erst da erkennt der Agent, dass er sich in Lebensgefahr befindet. In diesem Buch schildert er seine abenteuerlichen Ermittlungen, die ihn fast seine Familie, seine Gesundheit und sein Leben gekostet hätten." (Amazon.de)

Kritik:

Ich muss gestehen, dass ich gegenüber Büchern mit dem Label "Spiegel Bestseller" meistens eher kritisch denke. Ich habe offenbar nicht die intellektuelle Bandbreite, die offenbar meistens nötig ist, um mit diesen Schmökern Spaß zu haben. Trotzdem konnte ich irgendwie nicht an "Falscher Engel" vorbei gehen, schlicht und einfach weil die Thematik mich schon irgendwie interessiert hat. Also Buch eingesagt, aufgeschlagen und losgelesen.

Ich muss gestehen, dass ich anfangs etwas enttäuscht war. Zwar war das Buch für einen Tatsachenbericht locker und interessant geschrieben, allerdings fehlte mir zu Beginn etwas die Motivation, weiter zu lesen. Warum? Ich kann es nicht einmal mit Sicherheit sagen, irgendwie fiel es mir schwer, Zugang zu Dobyns zu bekommen - was sich allerdings bereits nach etwa 50 Seiten änderte. Langsam begann sich die Spannung aufzubauen, die sich auch bis zum Ende immer wieder in den Vordergrund drückt, stellenweise hat man sogar den Eindruck, es nicht mit einem Bericht (Dobyns sagt im Nachwort, dass wohl "Memoiren" die passendste Bezeichnung für sein Buch wäre) sondern eher mit einem Roman zu tun zu haben. Man möchte unbedingt wissen, wie es weiter geht. Hierbei muss aber gesagt werden, dass weder die Praktiken des Ermittlerteams noch die Welt der Hells Angels detailliert wiedergegeben werden, sondern dass Dobyns nur an der Oberfläche kratzt. Hier wäre ein wenig mehr Einsicht sicherlich interessant gewesen, wobei man speziell bei den polizeilichen Hintergründen schon Verständnis dafür hat, dass nicht übermäßig viele Details benannt werden. 

Was "Falscher Engel" wirklich interessant macht, ist die Geschichte des Autoren selber. Er beschreibt sehr eindringlich, wie er immer mehr von Jay Dobyns, Cop - einer von den Guten zu Jaybird Davis, Motorradrocker, Waffenschieber und Auftragskiller wird. Er beginnt, die Rolle die er spielt wirklich zu leben, zu einem von den Bösen zu werden. Sein psychischer Zustand wandelt sich dramatisch und sein "wahres" Leben tritt immer mehr in den Hintergrund. Und genau dieser Teil macht das Buch so lesenswert. 

Man darf nicht erwarten, dass viele Tatsachen, die man nicht schon aus Dokus, Nachrichten und Gerüchten kennt ans Tageslicht kommen. Was die Hells Angels so alles treiben, dürfte wohl jedem schon einmal in irgendeiner Form zu Ohren gekommen sein. Zwar sind die wenigen Details, die Dobyns beschreibt interessant zu lesen, aber er selbst kratzte halt trotz aller Bemühungen immer nur an der Oberfläche. Viele Internas sind auch ihm verschlossen geblieben. 

Enttäuschend ist das Ende, da man hier den Eindruck gewinnt, dass der Autor endlich zum Schluß kommen wollte. Es wirkt mitunter etwas sprunghaft und es macht sich das Gefühl breit, dass er keine Lust mehr hatte, weiter an seinem Buch zu arbeiten.  

Fazit:

Unterm Strich bleiben aber gute 350 interessante, großteils spannende Seiten, die aufzeigen, wie hoch die Belastung auf einen Undercover-Bullen in einer Extremsituation ist - und die auch klar machen, wie hoch die Gefahr ist, sich selbst an seine Rolle zu verlieren. 

Bewertung: 8/10 Punkten